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Nachbauakkus - Schrott oder Schnäppchen?
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Nachbauakkus - Schrott oder Schnäppchen?

Alle Digitalkameras benötigen eine stabile, hochstromfeste Stromversorgung. Während in Kompaktkameras häufig einfache AA-Zellen (Mignon oder R6)verwendet werden können, sind bei vielen kleinen und großen Kameras Lithium-Ionen-Akkus in einer speziellen Bauform notwendig. Diese bieten zwar technisch viele Vorteile, kosten aber als Originalzubehör richtig viel Geld. Dabei bekommt man teilweise für ein Zehntel des Preises schon billige “Nachbauten” z.B. bei ebay.

Beispiel Canon: Der originale BP-511A-Akku von Canon, wie er in vielen Semiprofi-Digital- und Videokameras verwendet wird, kostet etwa 70€. Ein Nachbau ist bei ebay.de meistens für 7-8€ zzgl. Versand erhältlich. Worin liegt nun der Unterschied?

Es gibt keinen. Zumindest theoretisch.

Die Kamerahersteller kaufen die Akkus entweder bei einem entsprechend vertrauenswürdigen Unternehmen ein oder anhand ihrer Pläne anfertigen und lassen sie dort gleich entsprechend labeln. Ein Teil dieser Akkus wird als Erstaustattung den Kameras beigelegt, der andere Teil wird für die Ersatzteilversorgung und als Originalzubehör mit einer entsprechenden Qualitätskontrolle, Garantie, Verpackung und Preis verkauft. WFindige Unternehmer, meistens in China und Thailand, bauen diese Akkus schon seit Jahren nach Herzenlust und Laune nach und bringen sie billig auf den Markt. Oder es sind sogar die Originalhersteller (OEM- Original Equipment Manufacturer), die einen Teil ihrer Produktion verkaufen.

Dabei gibt es aber beim Aufbau selbst kaum Unterschiede, denn der ist bei den gängigen Typen simpel. Meistens werden zwei Li-Ionen-Zellen, wie sie millionenfach jede Woche in China und Japan vom Band fallen, in Reihe geschaltet, das ergibt 2x 3,6V, also irgendwas bei 7,2 Volt. Dazu wird noch eine Lade- und Abschaltsteuerung (bei Überspannung) auf einer kleinen Platine integriert. Drumherum dann noch ein standardisiertes Plastikgehäuse, das war’s. Also wirklich keinerlei “rocket science”. Einige Hersteller (wie Fujifilm) integrieren noch eine halbwegs intelligente Schätz-o-matic in ihre Akkus, um der Kamera den genauen Ladestand anzuzeigen bzw. sie anzeigen zu lassen, wieviele Bilder noch “drin” sind. Aber auch für solche Spezialitäten gibt es Nachbauten.

Natürlich darf man anhand des Preises davon ausgehen, dass der Originalakku einer guten Qualitätskontrolle unterzogen wurde. Da diese nach den ISO-Standards (9001 usw.) aber nicht jeden produzierten Akku umfasst, sondern nur anhand von Stichproben aus den Chargen durchgeführt wird, darf man auch von einem gewissen Ausfallrisiko ausgehen. Die gesetzliche Gewährleistung greift in diesem Fall sowieso (24 Monate, Beweislastumkehr nach 6 Monaten), die Originalhersteller geben Endverbrauchern allerdings üblicherweise eine darüberhinausgehende Herstellergarantie von einem halben oder einem Jahr.

Übrigens: Prinzipbedingt verlieren Li-Ionen-Akkus nach 2-3 Jahren einen Großteil ihrer Kapazität, der Akku wird langsam “platt”. Egal, ob er nur im Schrank lag oder jeden Tag ent- und wieder aufgeladen wurde - die Anzahl der mit einer Akkuladung erzielbaren Bilder nimmt stark ab. Die Beschränkung auf ein oder nur ein halbes Jahr muss man daher in diesem Zusammenhang sehen. Ein Kauf auf Vorrat ist deswegen auch zwecklos.

Nachbauakkus, die von gewerblichen Verkäufern auf ebay.de gehandelt werden, unterliegen aber ebenso der gesetzlichen Gewährleistung, die ersten 6 Monate ist man also als Käufer recht gut abgesichert. Apropos Absicherung: Von den mit einem (echten, nicht gefälschten) CE-Zeichen ausgestatteten und damit in der EU zugelassenen Akkus geht auch keine Gefahr bei Kurzschlüssen usw. aus, denn sie müssen eine entsprechende Sicherung integriert haben, um das Überhitzen bzw. Abbrennen zu verhindern. Das wird mit einem Muster getestet, gelingt das, darf das Produkt das CE-Logo tragen.

Das Risiko bei den Nachbauakkus besteht also allein in der Qualitätskontrolle. Vertrauen Sie dem neugekauften ebay-Akku nicht genug, um nur diesen einen Akku z.B. in den Urlaub mitzunehmen, kaufen sie einfach noch einen zweiten oder dritten - ggf. bei einem anderen Unternehmen - dazu. Damit minimieren sie die Ausfallwahrscheinlichkeit, wenngleich sie natürlich dafür etwas etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist übrigens in den ersten 14 Tagen recht hoch, nimmt danach ab und steigt mit der natürlichen Alterung des Akkus ab etwa 2 Jahren wieder an.

Ein Mittelweg von Preis und Risiko mag der Kauf von namhaften Nachbauakkus (erhältlich unter Markennamen wie Hähnel, Ansmann, hama oder Varta) sein, allerdings darf man sich auch hier nicht immer sicher sein, ob der Akku hält, was er verspricht. Dafür hat man aber einen konkreten Ansprechpartner, wenn ein Defekt auftritt.

Möchten Sie gar kein Risiko eingehen und kommt es wirklich nicht so auf das Geld an, bleiben Sie bei den Originalakkus. Zwar können die auch unvorhergesehen kaputtgehen, im Fall des Falles haben sie aber einen PrügelknabenAnsprechpartner beim Service.

Die Erfahrungen mit Nachbau-Akkus, wie sie beispielsweise in Foren wie dem dslr-forum.de geschildert wurden, scheinen den überwiegend positiven Gesamteindruck der Nachbauakkus zu bestätigen. Ab und an gibt es eben einen Akku, der ausgesondert oder reklamiert werden muss, aber bislang gibt es dort noch keine Horror-Meldungen über Feuersbrünste in den Batteriefächern der Digitalkameras…

PS - zum Thema Entsorgung:

Defekte oder altersschwache Li-Ionen-Akkus können im Handel zurückgegeben werden, wenn man dort im Gegenzug einen neuen Akku gekauft hat. Alternativ können sie beim örtlichen Wertstoffhof oder in entsprechend bezeichnete Container entsorgt werden. Sie gehören keinesfalls in den Hausmüll oder die gelbe Tonne.