Filter - Sinn & Unsinn in der digitalen Fotografie
Filter werden die auf das Kameraobjektiv geschraubten/gesteckten Aufsätze genannt, die das Bild schon bei der Aufnahme verändern sollen. Je nach Material und Beschaffenheit des Filterglases ergeben sich unterschiedliche Effekte. Welche der Dutzenden Filterarten in der digitalen Fotografie noch ihre Berechtigung haben, möchten wir Ihnen hier erklären.
Unsinn…Diese Szene kommt Ihnen vielleicht bekannt vor: Der Fotoverkäufer fragt, ob man zur neu erstandenen Kamera oder Objektiv noch ein Schutzfilter dazu kaufen möchte. Bejaht man diese Frage, erhält man ein UV- oder Skylightfilter zu einem ausgesprochen deftigen Preis. Hat man Glück, ist es von einem Markenhersteller wie B+W, Heliopan, Hoya und könnte sogar das Bild nicht wesentlich verschlechtern. Hat man Pech, hat einem der Fotoverkäufer billigst hergestellte Fernostware in Fensterglasqualität verkauft.
Dieses Filter soll nun einerseits die empfindliche Frontlinse des Objektivs schützen und andererseits - glaubt man den Angaben der Beispielbildern der Filterhersteller blind - die Fernsicht im Gebirge verbessern (UV-Sperrfilter) bzw. das Tageslicht “entblauen” (Skylightfilter). Das diese Beispielbilder in der Filterwirkung maßlos übertrieben sind, ist das eine - das andere ist, dass moderne Foto-Objektive mit ihren ausgereiften Vergütungen und Glassorten und auch der Bildsensor mit seinem eigenen Schutzglas kaum noch für kurzwellige UV-Strahlung durchlässig sind. Die Wirkung eines Skylightfilters (ist ganz leicht rötlich gefärbt) läßt sich durch ein schnelles Anpassen des Weißabgleichs (JPG: bei der Aufnahme, RAW: nach der Aufnahme am Rechner) wesentlich genauer einstellen.
Billige Filter ohne Mehrschichtvergütung erzeugen sehr leicht sogenannte Geisterbilder (Lichtquellen doppelt usw.) bei Nachtaufnahmen oder Schlieren und massiv unscharfe Bereiche im Bild. Also Finger weg davon.
Sinn…Fotografiert man häufig in staubigen, sandigen, schlammigen oder sonstwie unwirtlichen Umgebungen, ist aber ein neutrales Schutzfilter, wie sie auch von vielen Objektivherstellern angeboten werden, absolut empfehlenswert. Zwar kostet so ein Filter je nach Durchmesser einiges an Geld, allerdings braucht man sich auch keine Gedanken mehr um die Reparatur einer durch Steinschlag kaputten Frontlinse zu machen. Allerdings macht es logischerweise keinen Sinn, ein 50€-Kitobjektiv mit einem 70€-Schutzfilter auszustatten. Einen gewissen Schutz gegen vielerlei widrige Einflüsse (Stoß, Sturz, Nieseln) und verbessertes Kontrastverhalten bei Streulichtsituationen bietet übrigens eine Gegenlichtblende - sie sollte bei keinem Objektiv fehlen.
Mit einem Grauverlaufsfilter lassen sich Helligkeitsunterschiede z.B. zwischen Himmel und Landschaft ausgleichen, wie sie häufig während der Mittagssonne herrschen. DSLRs haben meistens nur einen aufnehm- und darstellbaren Kontrastumfang von 7-8 Blendenwerten (bei RAW bis zu 10), kompakte Digitalkameras üblicherweise sogar nur 6-7 Blendenwerte. Der Unterschied zwischen den in unseren Augen blauen Himmel und den in unseren Augen grünen Fichten - der Motivkontrast - beträgt aber durchaus 12-13 Blenden. Man darf sich nun bei der Aufnahme entscheiden, ob der Himmel weiß dargestellt wird (”ausfrisst”), um die Fichten im Bild grün zu lassen - oder die Fichten stark unterbelichtet, um den Himmel einigermaßen blau zu haben. Beide Möglichkeiten ergeben belichtungsmäßig grausame Bilder.
Der Grauverlaufsfilter besteht aus einem Stück Glas oder Acrylglas, das an einem Ende völlig transparent ist und etwa ab der Mitte langsam in Richtung grau übergeht. Da bei normalen, runden Filterfassungen der Verlaufsübergang ziemlich genau in der Mitte ist und sich eine mittige Bildkomposition in aller Regel von selbst verbietet, hat z.B. die Firma Cokin einen verschiebbaren Grauverlaufsfilter samt Filterhalter im Angebot. Der Grauübergang im Bild, also z.B. die Abdunkelung des Himmels, läßt sich somit frei positionieren. Die Handhabung ist etwas umständlich, aber Landschaften rennen ja nun nicht gleich weg…
Die Effekte der Farbverlaufsfilter (Tabak, Mauve usw.) lassen sich mit einem guten Bildbearbeitungsprogramm übrigens viel besser nachträglich realisieren. Den besten positive Sinn sieht man beim Erstellen eines Fotobuch.
Ein Neutralgraufilter schluckt einfach Licht - jede Menge. Er besteht aus einem neutralgrauem Glas, das die notwendige Belichtung beispielsweise um 4 Blendenwerte (ND4) verlängert. Ein Motiv, dass z.B. in der Mittagssonne mit Blende 1.4 und ISO200 eigentlich eine Belichtungszeit von 1/16000s (und damit eine Profi-DSLR mit superschnellem Verschluss) erfordern würde, lässt sich mit einem aufgeschraubtem ND4 bei 1/1000s aufnehmen, eine Zeit also, die garantiert jede DSLR kann. Andere Beispiele sind z.B. das Glätten von Wellen durch Langzeitbelichtungen und das “Touristenentfernen” durch das Verwischen derer Bewegungen in einer Sehenswürdigkeit. Je nach benötigtem “Verlängerungsfaktor” gibt es entsprechende Neutralgraufilter.
Ein Polarisationsfilter, ein drehbares Filter aus zwei dunkel wirkenden Filterscheiben, kann grundsätzlich Reflexe und Spiegelungen auf Oberflächen mindern oder verstärken (je nach Position). Bei Landschaftsaufnahmen lässt es den Himmel schön blau leuchten und grenzt die Wolkenkonturen klar ab. Die Wirkungs ist am stärksten in einem Winkel von 90° zur Sonne - das ist auch der Grund, warum bei extremen Weitwinkelaufnahmen mit Polarisationsfilter eine unterschiedliche Polarisierung des Himmel im Bild zu sehen ist.
Man sollte bei Digitalkameras immer zirkulare Polarisationsfilter einsetzen. Lineare Polfilter sind zwar billiger, man riskiert aber Fehlfunktionen bei AF und Belichtungsmessung. Für extreme Weitwinkelobjektive gibt es schmale Filtermodelle (slim) oder überbaute Varianten (67mm Filtergewinde, der Filter selbst ist aber 80mm im Durchmesser), da die Standardfilter mit ihrer normalen Bauhöhe bereits zu Vignettierungen in den Bildecken führen können.
Gerade bei Polarisationsfiltern zahlt sich die Investition in ein mehrschichtvergütetes Markenmodell aus. Billige Filter sind teilweise nicht exakt plan geschliffen, die Polarisationsfolien falsch ins Glas montiert, keine Vergütung aufgetragen und teilweise werden sogar einfache lineare Polfilter als zirkulare Polfilter gefälscht und etwas teurer verkauft. Der Polarisationseffekt ist im besten Fall nur schwächer ausgeprägt, im schlechtesten Fall hat man störende Lichtreflexe, Schlieren im Bild und eine deutliche Absenkung der Bildqualität.
Ein Infrarotfilter sperrt sichtbares und UV-Licht aus und läßt nur Licht ab einer bestimmten Wellenlänge (beispielsweise ab 710nm, einextrem dunkles Rot) passieren. Diese Filter werden für die IR-Fotografie benutzt, um nur die Abstrahlungen des im Sonnenlicht enthaltenen Infrarotspektrums von verschiedensten Oberflächen (Blätter, Wolken usw.) aufzunehmen, das sichtbare Licht würde die Aufnahme sonst natürlich überbelichten.
